07.03.2026
Am Abend vor der Kommunalwahl ein Starkbierfest – ein besseres Datum konnte es für den SC Tegernbach nicht geben und so lud der Verein auch in diesem Jahr die Gemeindepolitiker auf den Pumpernudlberg zum mittlerweile fünften politischen Derblecken von Fastenprediger Marco Kieferl.
Vor vollem Haus mit annähernd 160 Gästen, zünftiger bayerischen Brotzeit und dem Herminator-Starkbier vom Zieglerbräu konnte sich Gemeindeoberhaupt und Bürgermeister Michael Krumbucher bereits zu Beginn zurücklehnen. Für seinen Posten gab es in der Gemeinde Rudelzhausen für 2026 keinen Gegenkandidaten, aber das bedeutete nicht, dass der frühere Hauptdarsteller des Gemeindetheaterstücks „D-Wahl-Lump’n“ sich deshalb zurücklehnen konnte.
Starkbierprediger stürzte sich in seiner Rede nämlich vor allem auf die Finanzen der Gemeinde, der mit anstehenden Ausgaben zur Kanalsanierung und Errichtung eines Betreuungszentrums ein Haushalt mit Schulden von mindestens neun Millionen Euro ins Haus steht. Kieferl kritisierte fehlende Ideen für mögliche Einsparungen von Seiten des Bürgermeisters und des Gemeinderats bei gleichzeitigen schwer finanzierbaren Investitionsideen wie der Errichtung eines Dorfladens im Gemeindeteil Rudelzhausen. Was die Gemeinde als Begegnungsstätte brauche, sei kein Geschäft, sondern eine Wirtschaft, so Kieferl. Und davon gebe es in der Gemeinde ja noch welche, die eben besucht werden müssten.
Sparen, so Kieferl, mache keinem Bürgermeister Spaß, daher riet er dem designierten Bürgermeister mit Freude am Handwerk, sich anstelle der geplanten Fortführung des Bürojobs doch als Gemeindearbeiter zu bewerben. Dort könne Krumbucher seinen Interessen wie gerissenen Rehen im Gemeindegebiet, der Verfolgung von Falschparkern, dem Winterdienst und der Überprüfung der kommunalen Geschwindigkeitsmessung besser nachkommen.
Lobende Worte hatte Kieferl für die Vereinsarbeit in der Gemeinde übrig und bezog sich dabei insbesondere auf die Spielgemeinschaft im Fußball zwischen den einstigen Rivalen SC Tegernbach und dem TSV Rudelzhausen. Dort hätte man sich zugunsten einer zukunftsfähigen Fußballabteilung trotz Vorbehalte doch noch geeinigt – zufälligerweise, so bemerkte Kieferl, sei dies trotz Vorbehalten kurz nach seinem Aufruf in der letzten Starkbierpredigt geschehen. Dafür verlieh sich der Redner auch kurzfristig selbst den „kleinen FIFA-Friedenspreis“.
Deutlich ernsthafter meinte es Kieferl mit der Auszeichnung für Freibad-Heldin Rosi Hofbauer, die als „Radio Rosi“ das Dorfleben in Tegernbach wie keine zweite verkörpere und deshalb neben der weiter steigenden Anzahl an Rettungsschwimmern (O-Ton-Kieferl: „Bei 67 Rettungsschwimmer fehlt es mehr an Ertrinkenden als an Rettern“) nun kurzerhand die schleppenden Vorbereitungen für die 1250-Jahr-Feier des Dorfes retten müsse.
Letztere Auszeichnung moderierte Kieferl da schon in einem besonders gewagten Outfit. Statt der üblichen Tracht sollte ein glitzerndes Sakko in lila, Regenbogen-Buttons und lackierte Fingernägel da bereits für sich selbst sprechen. Man habe ihm geraten, nicht mehr so ausführlich auf die AFD draufzuhauen. Ein bedenkenswerter Trend so Kieferl, sei es, wenn nun bereits für Fremdenhass und Intoleranz zurückgescheut würde. Daher wolle er sein Outfit von selbst für Toleranz sprechen lassen. Gut, dass er zwischendurch doch selbst das Wort ergriff. Dem SC Tegernbach wäre sonst ein äußerst amüsanter Abend verlorengegangen.
